DGO-Bezirksgruppe Stuttgart zu Gast bei Schlötter

18.07.2018

Rund 40 Teilnehmer folgten der Einladung der DGO-Bezirksgruppe Stuttgart und kamen am 12. Juli 2018 zu Schlötter nach Geislingen, wo sie zwei Fachvorträge und eine Besichtigung der neuen Versuchsgalvanik erwartete.

 

Zunächst berichtete Vera Lipp (Schlötter) über Wasserstoffgefährdungspotenziale bei galvanischen Prozessen. Die Referentin erläuterte, dass vor allem hochfeste Stähle, welche vermehrt im Leichtbau eingesetzt werden, zur Wasserstoffversprödung, d.h. der Einlagerung von atomarem Wasserstoff in das Metallgitter, neigen. Dadurch kommt es zur Materialermüdung, das Risiko für wasserstoffinduzierte Sprödbrüche und Risse steigt. Bei der galvanischen Abscheidung entsteht Wasserstoff sowohl beim Beizen als auch bei der galvanischen Beschichtung. Durch eine anschließende Wärmebehandlung (Tempern) kann der eingelagerte Wasserstoff wieder aus der Schicht ausgetrieben werden. Wie viel Wasserstoff bei der Beschichtung tatsächlich in ein Bauteil diffundiert, hängt von einer Reihe von Faktoren ab: dem Elektrolytsystem, dem Werkstoff, der Geometrie des Bauteils, dem Aufbau der Schicht sowie den chemischen und physikalischen Vorgängen beim Beschichten. Der fertigungsbedingte Wasserstoffeintrag lässt sich prinzipiell durch eine Optimierung der einzelnen Prozessschritte reduzieren, was jedoch eine ganzheitliche Betrachtung des Beiz-, Beschichtungs- und Temperprozesses sowie eine genaue Prozesskontrolle voraussetzt. Um Schäden durch Wasserstoffversprödung zu vermeiden, beschäftigen sich verschiedene DIN-Arbeitskreise sowie der Deutsche Schraubenverband intensiv mit Methoden zur Prozessüberwachung und zur Werkstoffoptimierung. In ihrem Vortrag ging Vera Lipp auf einige Prüfmethoden ein. Beispielsweise erklärte sie die Funktionsweise einer neu entwickelten Permeationszelle, mit der die Menge des Diffusionswasserstoffs beim Beizen gemessen werden kann. Eine gängige Prüfmethode, die in der DIN 50969-2 (Vermeidung fertigungsbedingter wasserstoffinduzierter Sprödbrüche bei hochfesten Bauteilen aus Stahl) beschrieben wird, ist die C-Ring-Prüfung mit Wellensicherungsringen, die dauerhaft einer Zugspannung ausgesetzt werden: eine Oberflächenbehandlung gilt dann als versprödend, wenn eine oder mehr Proben (von 10 oder mehr) innerhalb der Dauerbelastung brechen.

 

Im zweiten Vortrag beschäftigte sich Dr. Joachim Heermann, Zentraler Managementbeauftragter von Schlötter, mit der Frage, wann ein Objekt ein Erzeugnis entsprechend der REACH-Verordnung ist, und wann es sich um einen Stoff oder ein Gemisch handelt. Schließlich gelten je nach Einstufung unterschiedliche gesetzliche Anforderungen: Stoffe unterliegen grundsätzlich einer Registrationspflicht, von der nur diejenigen Stoffe ausgenommen sind, von denen jährlich weniger als eine Tonne hergestellt oder eingeführt wird. Bei Erzeugnissen müssen die Hersteller verschiedene Informationspflichten gegenüber ihren Abnehmern, im Sinne der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) beachten. Anhand von Beispielen illustrierte Dr. Heermann die Abgrenzung zwischen Erzeugnissen und Stoffen bzw. Gemischen und erläuterte die Auswirkungen auf die unter REACH zu erfüllenden Informationsangaben. Sein Fazit: eine klare Entscheidung ist anhand der in der REACH-Verordnung enthaltenen Begriffsbestimmungen häufig schwierig zu treffen. Für weitere Informationen verwies er daher auf den Leitfaden Erzeugnisse: Anforderungen an Produzenten, Importeure und Händler, der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA), herausgegeben wurde.

 

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmer die Gelegenheit , kulinarische Erzeugnisse und Stoffe zu genießen, sicherlich eine leichtere Kost als die REACH-Verordnung.